Mr. Scrooge im Hundertmorgenwald

Dies ist die erste (sehr Spoiler-lastige) Filmkritik auf diesem Blog.  Da bald Ostern ist, analysiere ich heute einen Film, welchen ich in meiner Kindheit geliebt und erst kürzlich wiedergesehen habe: „Winnie Puuh- Spaß im Frühling“.

Wie, der Name sagt euch rein gar nichts? Ach so, natürlich seid ihr jetzt verwirrt, ich habe nämlich nicht erwähnt, dass dies eine von vielen Direct-to-DVD Veröffentlichungen von Disney ist. Ihr seid immer noch verwirrt? Das ist wohl, weil ihr nicht wusstet, dass Disney solche Filme anbietet. Ihr versteht immer noch nicht, was ich hier schreibe? Selbstverständlich, denn ich ziehe diesen Artikel absichtlich in die Länge. Aber kommen wir zum Punkt: Direct-to-DVD oder auch Direct-to-Video nennt man Filme, welche nicht im Kino oder im Fernsehen, sondern nur auf DVD bzw. Video erstveröffentlicht werden. Dafür kann es mehrere Gründe geben: Sie sind zu schlecht für Kino oder Fernsehen, haben ein zu kleines Budget, oder beides. Manchmal werden sie aber auch genutzt, um etablierte Namen zu vermarkten. Walt Disney brachte während der 1990er und 2000er Jahre mehrere dieser Streifen heraus. Die meisten waren (total verspätete) Fortsetzungen von Klassikern wie „Susi und Strolch“, „Das Dschungelbuch“ und „Cinderella“ (bei letzterem sogar mit einer zweiten Fortsetzung). Auch die putzige Serie „Winnie Puuh“ war mit von der Partie: Vier Filme rund um den knuffigen Bären und seine Freunde erschienen damals im Handel. Nach diesem viel zu langem Absatz voller Sparwitze, Fremdwörter und irrelevanten Fakten kommen wir nun zur Handlung. Aber wie schon gesagt: Spoiler.

Zu Beginn befinden wir uns in einem Kinderzimmer, dem des Jungen Christopher Robin, welcher sich Puuh und alle anderen ausdachte. Der Raum ist geschmückt mit Spielzeug und jenen Stofftieren, denen wir gleich begegnen. Die Kamera nähert sich langsam einem Buch dessen Umschlag mit dem Bild des titelgebenden Teddys geschmückt ist. Doch dieses beginnt plötzlich zu rattern und das kleine Känguru Ruh springt heraus und begrüßt uns und den Erzähler fröhlich. Daraufhin hüpft es zurück in sein Buch, wo wir die weiteren Protagonisten unserer Geschichte kennen lernen: Winnie Puuh (wer hätte das nur gedacht, wenn der Film “Winnie Puuh-Spaß im Frühling“ heißt), das sensible Schweinchen Ferkel, Ruhs Mutter Känga, den depressiven Esel I-Ah, den überdrehten Tiger Tigger, und den mürrischen Hasen Rabbit. Alle sind fröhlich, denn es ist Ostern. Doch Rabbit ist der Meinung, dass nicht Ostern sondern Frühjahrsputz – Tag ist und zwingt seine Freunde, seine Wohnung zu reinigen.  Während der Hase sich um seinen geliebten Garten kümmert, findet der kleine Ruh eine Truhe voller österlicher Gegenstände. Zusammen mit den anderen beschließt er das Haus entsprechend zu dekorieren, was Rabbit jedoch wütend macht und er zwingt Puuh & Co das Haus zu verlassen. Tigger will dies nicht auf sich sitzen lassen und macht mit Hilfe des Erzählers und dem aufgebrachten Hasen eine Zeitreise in ein früheres Kapitel des Buches, welches das Osterfest ein Jahr zuvor zeigt, um dem mürrischen Nagetier zu zeigen, dass er Ostern früher mochte. In diesem leitet Rabbit, damals noch der Osterhase, die Vorbereitungen für das Fest. Da es Ruhs und Kängas erstes Ostern im Hundertmorgenwald ist, verlangt er besondere Perfektion. Den anderen Waldbewohnern geht es genauso, doch Rabbit verlangt Ernst und Perfektion. Daraufhin folgt ein Song bei dem der Hase eine Tafel mit Grafiken und wirtschaftliche Fachbegriffe verwendet (behaltet euch das im Hinterkopf). Vergangenheits-Rabbit bemerkt daraufhin wie Tigger Ruh ein Osterei überreicht und von der versammelten Waldgemeinde gefeiert wird. Dies bedrückt Rabbit. Nun ist der Grund für seinen Groll gegen Ostern gefunden, doch immer noch weigert sich der Ex-Osterhase, das Fest zu feiern. Niedergeschlagen teilt Tigger seinen Freund mit, dass es kein Ostern mehr geben wird, was vor allem Ruh bedrückt. Durch einen Trick des Erzählers findet sich Rabbit vor dem Haus der Kängurus wieder. Durch ein Zimmerfenster sieht dieser, wie Ruh ein Bild mit sich selbst und Rabbit zeichnet.  Kurz ist er gerührt, doch dann verdrängt er seine Gefühle wieder und geht zu Bett. Der Erzähler beschließt daraufhin zu drastischen Mitteln zu greifen.  Er macht mit ihm eine zweite Zeitreise, diesmal jedoch in jene Kapitel, welche nicht geschrieben wurden. Dort hat Rabbit seinen Frühjahrsputztag durchgesetzt. Doch seine Freude darüber lässt nach, denn die anderen Bewohner des Waldes sind weggezogen. Anschließend findet der von Schuldgefühlen geplagte Rabbit sich in seinem Bett wieder. Er ist wild entschlossen Ostern doch zu feiern. Gleichzeitig entwickelt Klein-Ruh einen Plan, um sein geliebtes Osterfest zu retten. Zusammen mit seinen Freunden wird sein Haus österlich dekoriert. Daraufhin trifft Rabbit ein mit Ostereiern und anderen Dingen im Schlepptau. Nun feiern alle gemeinsam. Ende.

Jetzt kommen wir zum analytischen Teil dieses viel zu langen Artikels. Fassen wir kurz zusammen, was im Film mit Rabbit passiert ist (das hat ja im letzten Absatz schon so prima funktioniert). Er will seine Freunde zum Arbeiten zwingen, anstatt mit ihnen zu feiern, macht jeweils eine Zeitreise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, woraufhin er wie ausgewechselt ist und den Feiertag mit den Menschen die er liebt, genießt. Das kennen wir doch aus einer anderen Literaturverfilmung, nämlich aus „Die Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens. Das hier ist der einzige zu Ostern spielende Weihnachtsfilm. Des Weiteren ist dieser Streifen, so sehr ich ihn und seine Figuren liebe, prokapitalistisch. Erinnert ihr euch noch an das Lied in dem marktwirtschaftliche Zusammenhänge und Begriffe verwendet werden, und das in einer Serie über einen Honig-liebenden Stoffbären? Hängt das vielleicht damit zusammen, dass Disney eine Aktiengesellschaft ist? Wir wissen es nicht (doch wissen wir, das war Sarkasmus).

Fazit: Dieser Film hat für Kinder einiges zu bieten: Eine schöne Animation, liebevolle und witzige Figuren sowie unterhaltsame Lieder und Reime. Trotzdem ist er, anders als die anderen Zeichentrickfilme mit diesen Figuren, von einer kapitalistischen Ideologie geprägt.

Das nächste Mal gibt es wieder einen satirischen Artikel. Macht es gut, euer Ernst Lustig.


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